14. September 2021

Sterben in Zeiten von Corona – ein Bestatter berichtet

Jürgen Schußmann- Bestattermeister bei der TrauerHilfe DENK - berichtet über Trauer in einer globalen Pandemie

Sterben in Zeiten von Corona – ein Bestatter berichtet

„Was wäre in den letzten eineinhalb Jahren alles anders gewesen, wenn uns COVID-19 nicht beherrscht hätte?“, fragt sich Jürgen Schußmann, Bestattermeister bei der Bestattungsinstitut Denk Trauerhilfe GmbH, oft. Er hat bei jedem einzelnen Trauerfall den Anspruch, den Wünschen der Angehörigen und dem letzten Willen des Verstorbenen gerecht zu werden. Für seinen Beruf braucht er neben der Fachexpertise viel Empathie und Anteilnahme – gerade zu Zeiten von Corona leiden die Angehörigen stark unter dem Gefühl, in der Stunde des Todes aufgrund von Inzidenzen und Kontakt- oder Besuchsbeschränkungen nicht an der Seite des geliebten Sterbenden sein zu können. „Sterben lässt sich aber nicht verschieben, bis die Zahlen der Pandemie wieder kontrollierbar sind. Einsam, isoliert und steril sterben zu müssen, ist traurig und brutal – für den Sterbenden und für die Angehörigen“, erzählt Jürgen Schußmann und fährt fort: „Das Leid der Hinterbliebenen war und ist in der Zeit von Corona für mich unbeschreiblich: von Besuchsbeschränkungen in Krankenhäusern, Altenheimen oder Hospizen über Einschränkungen bei der Trauerfeier und komplizierte Verordnungen im „Inzidenzen auf und –ab“ und immer wieder das zermürbende Gefühl, nicht richtig Abschied nehmen zu dürfen.“

 

Jürgen Schußmann ist seit 25 Jahren ein erfahrener Mitarbeiter der Bestattungsinstitut Denk Trauerhilfe GmbH und weiß um die Bedeutung von Abschiedsritualen auf dem langen Weg der Trauerbewältigung: „Das letzte Mal die so vertraute Hand halten, ein letztes Streicheln über das Haar, ein letzter Kuss auf die Wange oder einen Abschiedsbrief persönlich in den Sarg legen – all das erlaubt das Infektionsschutzgesetz nicht in gewohnter Form. Meine Trauergespräche mit den Angehörigen und Hinterbliebenen wurden wirklich auf einen emotionalen Höchststand gebracht.“ An seinem Credo, die Wünsche des Verstorbenen und die Vorstellungen der Angehörigen mit den Bestimmungen des Bestattungswesens und den jeweiligen Friedhofssatzungen würdevoll in Einklang zu bringen, hält Jürgen Schußmann aber fest – auch in Zeiten von Corona: „Wir alle wurden von der Pandemie aus dem Gleichgewicht gebracht, waren alle an der Belastungsgrenze und haben Tag für Tag unser Bestes gegeben, die derzeit geltenden Verordnungen diszipliniert und ehrlich umzusetzen. Die Erfahrung des Todes in Zeiten einer Pandemie war jenseits unserer Lebenswirklichkeit und das hat mein persönliches Berufsbild nachhaltig geprägt.“