10. Mai 2019

Berührung mit dem Tod - "Das sind die Gründe, warum ich den Job so gerne mache."

Herr Jürgen Schußmann, Qualitätsmanager und Bestattermeister bei der TrauerHilfe DENK in München

Berührung mit dem Tod -

Wie war für Sie der erste Kontakt mit dem Tod?

 

„Der erste Umgang mit dem Tod war sicherlich sehr prägend. Die Bilder der ersten Begegnung speichert man langhaltig im Kopf ab und das ist ein Thema, das einem nachts auf jeden Fall beschäftigt.“

 

 

Aktuell sind Sie im Qualitätsmanagement tätig. Welche Beweggründe hatten Sie, die Ausbildung zum Bestattermeister zu machen?

 

„Ich war sehr lange in der Verwaltung tätig und habe bis zu einem bestimmten Zeitpunkt im kaufmännischen Bereich eines Bestattungsunternehmen fast alle Tätigkeiten kennengelernt und durchgeführt. So habe ich mir gedacht, ich möchte auch einmal sehen was hinter dem Vorhang passiert, um die Arbeit mit den Angehörigen besser zu verstehen und natürlich dadurch dann auch besser zu beraten zu können.“

 

 

Wie kann man sich eine Fortbildung zum Bestattermeister vorstellen?

 

„Es gibt 6 Module, im Rahmen derer Praxis mit Theorie vermischt und behandelt werden. Themen, die dort behandelt werden, sind zum Beispiel Beratungsgespräche, Versorgung des Verstorbenen, Warenkunde, betriebswirtschaftliches Grundwissen und natürlich die Friedhofskunde. All diese Praktiken führen dazu, dass man mit der Vollendung der Fortbildung einen Betrieb führen kann.“

 

 

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am Besten?

 

„Die Arbeit mit Menschen, egal ob es Angehörige von Verstorbenen sind, oder ob sie in unserem Unternehmen arbeiten. Außerdem der Anspruch, den Wünschen des Angehörigen und dem Verstorbenen selber gerecht zu werden.“

 

 

Hatten Sie Berührungsängste, als Sie zum ersten Mal mit Angehörigen gesprochen haben?

 

„Berührungsängste hatte ich keine. Die Schwierigkeit war nur, dass anfangs zehn Leute um mich herum saßen. Man braucht auf jeden Fall Unterstützung beim ersten Mal, weil es sonst gut sein kann, dass man alleine untergeht. Das Wichtigste ist, dass Sie auf die Menschen zugehen und kommunikativ sind, damit Sie als Berater sagen können, es war eine erfolgreiche Besprechung.“

 

 

Gibt es Situationen, die Sie teilweise auch nach der Arbeit noch beschäftigen?

 

„Schwierige Fälle auf jeden Fall. Wenn es nicht so wäre, würde das ja heißen, ich kümmere mich nicht um meine Arbeit. Manche Tode sind leichter zu überwältigen und schwere Todesfälle halt eben nicht. Man muss, glaube ich, ein sensibler Mensch sein, um solche Dinge besser zu verkraften.“

 

 

Gibt es einen bestimmten Fall, der Ihnen bis heute noch in Erinnerung bleibt?

 

„Der erste Fall vor etwa 20 Jahren mit einem jugendlichen Mädchen, die 18 Jahre jung war, im Bett verstorben ist und bis heute keiner weiß warum.“

 

 

Was würden Sie jemandem raten, der den Beruf in Zukunft gerne ausführen möchte?

 

„Er muss den Umgang mit Trauernden erst einmal kennen. Ganz wichtig ist natürlich, dass diese Person mit dem Tod umgehen können muss. Außerdem muss einem bewusst sein, dass man ständig mit Leid und Trauer zu tun hat, was die Arbeit meist beschwerlicher gestaltet.“

 

 

Man stellt sich die Arbeit beim Bestatter eher schwierig und negativ vor, aber es gibt bestimmt auch positive Aspekte?

 

„Das Positive an dem Job ist ganz einfach, dass Sie anderen Menschen helfen und beistehen können. Man muss den Beruf einfach ehrlich leben und dafür bekommt man auch Dankbarkeit und Wertschätzung zurück. Das sind die Gründe, warum ich den Job so gerne mache.“