Stephan Burscher über seine Arbeit als Grabmacher bei der TrauerHilfe DENK
Wenn Stephan Burscher in der Früh seine Arbeitszettel in die Hand bekommt, wandert sein Blick als Erstes auf die Grablage. Was für viele nur eine abstrakte Nummer, eine Fläche irgendwo zwischen anderen Gräbern ist, wird für ihn sofort zu einem konkreten Ort. In Gedanken steuert er ihn mit dem Bagger bereits an. Ob eine Voll- oder Teilschalung nötig ist, wie der Untergrund beschaffen ist, welche Maschinen eingesetzt werden können und wann Handarbeit gefragt ist – all das erkennt er mit einem Blick. Denn Stephan Burscher kennt sich aus. Seit dreißig Jahren. Über dreißig Friedhöfe in und um Germering hat er im Kopf. Jeder Weg, jeder Baum, jede Eigenheit des Geländes hat sich über die Jahre eingeprägt.
Nicht jede Grablage ist leicht zugänglich. Und manchmal bleibt nur: Muskelkraft. Schaufel für Schaufel. Wenn er auch solche Gräber geöffnet hat, ist er stolz. „Das sind die Momente, in denen man weiß, wofür man es macht.“
Denn bevor bei einer Erdbestattung überhaupt an die Trauerfeier und Beisetzung gedacht werden kann, muss das Grab geöffnet sein. Eine Tätigkeit, über die sich kaum jemand Gedanken macht – gerade, weil sie so selbstverständlich erscheint. Und genau das macht sie so besonders.
Mit 19 kam Stephan Burscher über einen Freund zur TrauerHilfe DENK – zunächst als Aushilfe. Ein Jahr später unterschrieb er seinen Festvertrag als Bestattungsmitarbeiter. Fahrdienst, Beerdigungsteam, Grabmacherdienst – er hat alle Bereiche durchlaufen. Doch seit vielen Jahren ist er ausschließlich als Grabmacher im Betrieb Germering tätig. Draußen zu sein, mit den Händen zu arbeiten, zu sehen, was man geschafft hat – das ist seine Welt.
Regen, Schnee, Hitze? „Im Winter ziehe ich halt die Skiwäsche drunter“, sagt er und lächelt. Das Wetter gehört dazu. Viel wichtiger ist ihm, dass die Arbeit gut gemacht ist – das Zusammenspiel im Team, der Respekt gegenüber dem Verstorbenen und den Angehörigen. Auch wenn er selten direkten Kontakt zu Trauergästen hat, weiß er: Das, was er tut, ist die Grundlage für einen würdevollen Abschied.
Je nach Bodenbeschaffenheit braucht er für ein Erdgrab mit dem Bagger anderthalb bis zwei Stunden – manchmal aber auch den halben Tag. Er arbeitet im eingespielten Zweierteam. Jeder Handgriff sitzt. Improvisation gehört genauso dazu wie Konzentration, Ausdauer und ein gutes Gespür – für das Gelände, die Umstände und die Stille.
Seit drei Jahrzehnten ist Stephan Burscher Teil der TrauerHilfe DENK. Warum er geblieben ist? Seine Antwort kommt schnell – und aus Überzeugung: „Weil das Unternehmen immer hinter mir stand – egal, was privat gerade los war.“ Er schätzt den Zusammenhalt, den Rückhalt und die Wertschätzung für seine Arbeit. Und genau das gibt er zurück. „Für mich ist das ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Ich gehe jeden Tag gern in die Arbeit.“
Natürlich spürt auch er den Wandel in der Bestattungskultur. Die Zahl der Erdbestattungen geht zurück, Feuerbestattungen nehmen zu. Urnengräber sind leichter zu öffnen, der Aufwand geringer. Aber es gibt sie noch, die traditionellen Erdbestattungen – und sie brauchen Menschen wie ihn. Menschen, die Friedhöfe nicht nur kennen, sondern verstehen. Die hinschauen. Die wissen, was sie tun – und warum.
Stephan Burscher ist Grabmacher. Und das mit Stolz.

