24. Mai 2019

Berührung mit dem Tod - Voller Ehrfurcht und Respekt

Amelia Balan, Sterbefallberaterin bei der Trauerhilfe DENK in München

Berührung mit dem Tod - Voller Ehrfurcht und Respekt

Wie war für Sie der erste Kontakt mit dem Tod?

 

„Bevor ich im Bestattungswesen arbeitete, hatte ich keinerlei Kontakt mit dem Tod. In unserer Familie und in meinem Bekanntenkreis war bis zu diesem Zeitpunkt niemand verstorben. Daher waren für mich die ersten Momente, in denen ich mit dem Tod beruflich konfrontiert wurde, voller Ehrfurcht und Respekt.“

 

 

Warum haben Sie sich dafür entschieden, beim Bestatter zu arbeiten?

 

„Ehrlich gesagt, ergab sich diese Berufswahl zufällig. Meine Hauptmotivation war die direkte Arbeit mit den Menschen, die mich neugierig gemacht hat. Ich wusste allerdings auch nicht, ob ich diesen Beruf tatsächlich ausüben kann und hatte viel Respekt vor der Trauer und der Ohnmacht der trauernden Angehörigen.Im Nachhinein muss ich sagen, dass die Dankbarkeit, die man von den Familien erfährt, die größte und schönste Bestätigung ist, die ich als Bestattungsberater erfahre. Nämlich die, etwas Sinnvolles zu tun und zu helfen.“

 

 

Wie schaut bei Ihnen ein normaler Arbeitstag aus?

 

„Als Bestattungsberaterin gibt es keinen normalen Arbeitstag. Ich weiß morgens, wenn ich ins Büro komme, nur in den seltensten Fällen, was mich den Tag über erwartet. Einen Termin für ein Trauergespräch, sei es in einer Filiale oder im Rahmen eines Hausbesuches, erhalte ich auch von der Zentrale recht kurzfristig. Zudem kenne ich zwar einige Eckpunkte zum Trauerfall. Ich weiß allerdings nie, mit was für Menschen ich das Gespräch führen werde, wie genau die Bestattung gewünscht wird und vor Allem: wie Trauer verarbeitet wird.“

 

 

Welche Aufgaben müssen Sie im Unternehmen übernehmen?

 

„Meine Arbeit besteht im Allgemeinen aus zwei Komponenten:

  • zum Einen führe ich das Trauergespräch und Beratung. Ich arbeite also direkt mit den Angehörigen zusammen, teilweise bin ich erster Ansprechpartner nach dem Todesfall. Gelegentlich weitet sich meine Rolle dann auch in der Situation zur Seelsorgerin aus.
  • zum Anderen organisiere ich im Nachgang an das Trauergespräch die komplette Bestattung, bestelle die Sterbeurkunden, leite alles in die Wege (Abholung, Blumen, Drucksachen, Pfarrei etc.) und fundiere wie eine Art zentraler Punkt, bei dem für den jeweiligen Trauerfall alles zusammen kommt.“

 

 

Was mögen Sie am Meisten an Ihrem Beruf?

 

„Die Dankbarkeit, die man von den Angehörigen erfährt, ist die größte und schönste Bestätigung, die ich in meinem Beruf erfahre. Dadurch bekomme ich das Gefühl, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen und anderen helfen zu können.Auch die ersten Momente der Begegnung mit den Angehörigen finde ich spannend, weil ich innerhalb von Sekunden entscheiden muss, was mein Gegenüber braucht oder nicht. Im Großen und Ganzen kann ich wirklich sagen, dass ich das Glück habe, meinen Traumberuf auszuüben.“

 

 

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie Kontakt mit einem trauernden Kunden haben?

 

„Ich versuche mich schnell in die jeweilige Person einzufühlen, sie aufzufangen und gleichzeitig professionell den Weg aufzuzeigen, den es jetzt zu gehen gilt. Es gibt aber natürlich auch Schicksale, die stimmen einen persönlich unfassbar traurig und gelegentlich – gerade bei Kindern – stellt sich auch die Frage nach dem Warum.“

 

 

Was treibt Sie persönlich jeden Tag an, in die Arbeit zu gehen?

 

„Meine Motivation ist es, jeden Aspekt meiner Arbeiten perfekt auszuüben und zu wissen, dass die Angehörigen zufrieden sind. Außerdem, ist es mir Ansporn im Nachgang einer Bestattung von den Familien zu hören, dass alles gut gelaufen ist und sie zu frieden sind.“

 

 

Belastet Sie der Tod auch nach der Arbeit oder können Sie zuhause komplett abschalten?

 

„Der Tod belastet mich keinesfalls. Komplett abschalten kann ich aber dennoch nicht.Die Arbeit, das heißt einzelne Schicksale und die Vorgänge meiner Arbeit, gehen mir natürlich auch zuhause noch durch den Kopf. Außerdem schaut man sich als Bestatter privat doch noch den einen oder anderen Friedhof an, besichtigt so manche Kirchen und ist generell am Thema Bestattung und Tod interessiert. Ich fände es schlimm, wenn es nicht so wäre.“

 

 

Wie würden Sie ihre Arbeit in drei Worten beschreiben?

 

„Ich würde meine Arbeit in Organisation, Hilfe und Abschied beschreiben.“